Wissenschaftslounge

Die Wissenschaftslounge erweitert die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften um einen Ort für Austausch, Begegnung und konzentriertes Arbeiten. Als leichter Holzbau spannt sie sich zwischen das historische Gemäuer und führt die vorhandene räumliche Dramaturgie aus Rundbögen, Treppen und Arkaden in einer zeitgenössischen Architektur weiter.

Aus dem Gartenflügel erhebt sich ein zweigeschossiger Aufbau aus geschwungenen Brettsperrholzbögen. Maßstab, Rhythmus und Traufhöhe des Bestands bleiben gewahrt, während die bewegte Dachlandschaft die besondere Nutzung nach außen ablesbar macht. Der Neubau ordnet sich in das Ensemble ein und entwickelt zugleich eine eigene räumliche Identität – als verbindendes Element zwischen Höfen, Nutzungen und den unterschiedlichen Ebenen der Akademie.

Tischgespräch unter Gelehrten

Im zweiten Obergeschoss bildet die Lounge einen einladenden sozialen Raum. In ihrem Zentrum steht der gemeinsame Tisch: eine zeitgenössische Tafelrunde, die die Ankommenden zusammenführt, Nähe schafft und das Gespräch auf Augenhöhe zum räumlichen Prinzip macht. Entlang einer raumhaltigen Wand entstehen Séparées, Lernboxen und Rückzugsorte. Gewölbte Decken, Rundstützen und die geringe Raumhöhe erzeugen eine intime, geborgene Atmosphäre zwischen Offenheit und Rückzug.

Darüber öffnet sich der Lichtsaal als leichter Gegenpol. Während unten Nähe, Dichte und Austausch den Raum bestimmen, prägen oben Licht, Höhe und Weite die Atmosphäre. Das geschwungene Tragwerk legt sich über den Saal und übersetzt das Motiv historischer Gewölbe in eine offene Arbeitslandschaft für Seminare und Gruppenarbeit. Flexible Raumteilungen, Vorhänge und Nebenräume ermöglichen wechselnde Nutzungen und unterschiedliche Grade von Offenheit.

So entsteht ein gestaffelter Mikrokosmos aus sich überlagernden Atmosphären – aus Dichte und Weite, Schwere und Leichtigkeit, Austausch und Konzentration.

Ein Tragwerk schwingt sich ein

Das Tragwerk ist zugleich Konstruktion und Raum. Gekrümmte Brettsperrholzschalen formen die charakteristische Dachlandschaft und geben dem Neubau seinen Rhythmus. Gebogene Holzelemente verbinden traditionelle Prinzipien des Holzbaus mit zeitgenössischer Fertigung und verleihen dem Material eine beinahe textile Qualität: Das Holz erscheint nicht als schwere Masse, sondern spannt und biegt sich in weichen Bewegungen über den Raum.

Holz, Lehm, Kork und Textil ergänzen diese konstruktive Idee zu einer zurückhaltenden Materialwelt. Lehmputz und Lehmterrazzo prägen die warme, geborgene Atmosphäre der Lounge, während der Lichtsaal mit hellem Eschenholz und einer reduzierten Materialpalette ruhiger erscheint. Textile Vorhänge zonieren die Räume, unterstützen die Akustik und bringen eine weiche, bewegliche Schicht in die Holzkonstruktion.

Low Tech und Kreislauffähigkeit

Der Entwurf setzt auf die Möglichkeiten des Gebäudes selbst. Querlüftung, die Geometrie der Dachrundungen und eine gezielte Verschattung reduzieren den Bedarf an komplexer Gebäudetechnik. Wand- und Bodenflächen übernehmen Heizung und Kühlung und werden unmittelbar in die Architektur integriert.

Innovation wird dabei als konsequent ökologische Bauweise verstanden. Die gebogenen Holzelemente reduzieren den Materialeinsatz, sind sortenrein rückbaubar und verbinden konstruktive Leistungsfähigkeit mit sinnlicher Wahrnehmung. Nachwachsende Materialien, geringe graue Energie und eine klare, reversible Konstruktion bilden die Grundlage einer Architektur, in der Tragwerk, Raum und Atmosphäre als Einheit gedacht werden.

Ein Wettbewerbsbeitrag von Helga Blocksdorf Architekten, Anna Gassner und Elisa Hartmann
2026